Hintergründe: Die Fluchtdistanz – der Wochenendeffekt

Heute mal wieder ein Kapitel zum Thema Hintergründe: Stehen die Kraniche am Wochenende weiter weg von der Straße als unter der Woche? Wie kriegt man das raus? Wenn ja, warum das denn? Ist es ihnen nicht egal, welcher Wochentag ist? Wie weit halten sie überhaupt Abstand vom Menschen? Wie ist das mit der Fluchtdistanz?

Tiere haben eine natürliche Fluchtdistanz, also eine bestimmte Mindestentfernung, die sie zum Menschen und sonstigen Feinden einhalten und bei deren Unterscheitung sie flüchten. Bei Enten im Park ist diese Distanz sehr gering, die kann man ja schon fast anfassen. Bei Kranichen ist das etwas  anders, die bleiben i.d.R. so auf 300-500 m Abstand. Sagt man.
Es wird nun aber schon seit einigen Jahren vermutet, dass die am Wochenende in Linum weiter weg stehen als unter der Woche. Eine Taktik, um Touristen zu ärgern? Nein, keineswegs, aber je mehr Störungen da sind, desto mehr Abstand halten sie und an Wochenenden sind nun mal mehr Touristen in Linum als an den anderen Tagen. Bewiesen ist das aber alles noch nicht. Ist der Abstand der Kraniche wirklich an Wochenenden größer oder ist das nur so ein Gefühlsding? Das möchte ich herausfinden. Deshalb habe ich an verschiedenen Wochentagen Abstände von der Straße (wo man als Tourist stehen kann) zum nächststehenden Kranich gemessen. Dafür habe ich ein Fernglas mit integriertem Entfernungsmesser. Das sieht dann in etwa so aus, wenn man durchschaut:Entfernung KranicheNatürlich zielt man mit dem roten Quadrat auf die Kraniche, die man dann auch scharf stellt. Ich hab nur beim Foto gewackelt, aber die Entfernung (die rote Zahl) stimmt.

Da fällt jetzt schon auf, Moment, 248m?? Die Fluchtdistanz soll doch bei 300 bis 500 m liegen. Ja und nein. Die Kraniche halten Abstand von Gefahren; wenn sie einen selbst nicht als Gefahr betrachten, kommen sie auch mal näher ran. So wie auf dem Foto.
Oder auch auf diesem Foto:

IMG_1386Diese Kraniche standen sozusagen direkt vor meiner Nase. Das kann durchaus vorkommen, wenn man ganz viel Glück hat und sich ruhig in sein Auto setzt und wartet und vielleicht kommen die Kraniche dann tatsächlich irgendwann näher, weil sie merken, dass keine Gefahr besteht. Sobald man aussteigen würde und die Deckung des Autos verlässt, wären die Kraniche aber sofort weg.

Solche Bilder verleiten dazu, zu denken, ach, die Fluchtdistanz ist ja gar nicht mehr so groß. So wie ein Tourist, der auf eine Gruppe Kraniche zufuhr und dann erklärte “meine Kraniche haben eine Fluchtdistanz von 50 m”. Das ist definitiv falsch. Die Kraniche sind diejenigen, die entscheiden, wie nah sie an einen rankommen, nicht andersherum. Also: immer Abstand einhalten und warten, was die Kraniche machen. Mit ein bisschen Geduld und Glück kommen die Kraniche von ganz allein.

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